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Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Markus 13, 31 Ev. Philippusgemeinde Köln Raderthal Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Markus 13, 31
 

Predigt am  03. April 2011  über  Johannes 6, 55 - 65

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Ich lese Worte aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums. Dort spricht Jesus von sich:

55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. 59 Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte. 60 Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? 61 Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das? 62 Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? 63 Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64 Aber es gibt einige unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.

 

Liebe Gemeinde!

Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.’ Das sind auf den ersten Blick ganz schön harte Worte, die Jesus hier, im 6. Kapitel des Johannesevangeliums ausspricht. Das Ganze klingt schon fast kannibalistisch. Im griechischen Urtext stehen da auch Wörter wie ‚essen, fressen, zerkauen’. Das Ganze klingt schon sehr fleischlich, ja ist fleischlich. Jesus redet hier schließlich von sich selbst, von seinem eigenen Fleisch und seinem eigenen Blut. Verständlich, dass das die Jünger verärgert und später sich viele von ihm sogar abwenden. Man denke nur daran, dass es schon generell bei den Juden verboten war, Blut zu sich zu nehmen. Ein blutiges Steak oder Blutwurst von Tieren gab’s da nicht. Und jetzt noch von einem Menschen? Das war ausgeschlossen. Ja, das war unerträglich, so etwas überhaupt nur zu hören.

Aber genau das behauptet hier Jesus steif und fest. Überhaupt wird das im Johannesevangelium stark betont. Man sieht oft dieses Evangelium sehr vergeistigt. Das ist überhaupt nicht der Fall. ‚Das Wort ward Fleisch’ - so schreibt es der Evangelist Johannes direkt am Anfang seines Evangeliums. Das ist sein Programm und das hören wir auch deutlich in unserem heutigen Predigttext. Johannes tut das aus gutem Grund. Anscheinend gab es in den christlichen Gemeinden so genannte ‚Gnostiker’. Das waren Menschen, die auch an Christus glaubten, aber für die der irdische, fleischliche Jesus überhaupt keine Bedeutung hatte. Ja, den verleugnete man komplett. Da hatte man also einen rein vergeistigten Glauben, der in Christus eine göttliche Lichtgestalt sah und mehr nicht. Genau dagegen wehrt sich Johannes und betont deutlich, dass Jesus ganz real und fleischlich auf die Erde gekommen ist, dass er gelebt hat wie jeder andere Mensch auch. Der Glaube wird hier also geerdet! Oder um an den Welcome-Gottesdienst vom letzten Sonntag zu erinnern: Jesus Christus kommt in die Tiefen unseres menschlichen Lebens. Er lässt sich auf unser Leben ein - und das nicht nur ein bisschen, sondern voll und ganz, mit allen Höhen und Tiefen, die dabei sind!

Genau dafür steht auch das Abendmahl, das wir heute in diesem Gottesdienst feiern, und das m.E. Jesus auch hier anspricht. Manche meinen, dass Johannes das Abendmahl nicht kennt, weil er keinen typischen Abendmahlsbericht wie in den anderen Evangelien enthält. Aber wer den Predigttext und überhaupt das ganze 6. Kapitel des Johannesevangeliums liest, der wird m.E. nicht drum rum kommen, zu merken: Es geht hier um das Abendmahl!

Soweit habe ich das jetzt erstmal theologisch klar gestellt. Vielleicht war das schon zu theologisch, aber es ist ja auch wichtig, so ein bisschen Hintergrundwissen zu haben, warum und wieso das derjenige so oder so schreibt. Das dient zum besseren Verständnis.

Jetzt möchte ich von der hohen Theologie aber wieder ein bisschen runter kommen.

Ich habe mich gefragt: Was empfinden die Leute beim Abendmahl? Da höre ich nicht selten: Das ist eine traurige, schwere Sache - gerade in der Passionszeit, wo es auf Karfreitag zugeht. Die Menschen stehen mit ernsten Mienen um den Altar, sagen kein Wort und geben sich manchmal auch nicht die Hand. So wird es zugegeben oft in unseren Kirchen gefeiert. Das Ganze ist nicht sehr beziehungsvoll. Es wirkt manchmal sehr stark traditionell und manch einer weiß damit nicht mehr viel mit anzufangen. Dabei ist die altkirchliche Tradition - soweit ich es weiß - also die Kirche in den ersten Jahrhunderten gar nicht so gewesen. Da gab man sich demnach sogar den Friedenskuss. So persönlich und beziehungsvoll ging es unter den ersten Christen zu! Die haben wirklich etwas von der Nähe und Liebe Jesu Christi beim Abendmahl erlebt und das ohne große Hemmungen an ihren Mitbruder und an ihre Mitschwester weitergegeben.

Ich erzähle Ihnen dazu eine nette Geschichte, die ich vor Jahren in Bonn in meiner alten Gemeinde erlebt habe. Da war Weltjugendtag von der katholischen Kirche und wir hatten bei uns zu Gast eine polnische Jugendgruppe mit Priester. Da war alles sehr streng und hatte noch Zug. Ein Mitarbeiter nuschelte mir während einer gemeinsamen Andacht zu: So fromm sind wir aber nicht. Darauf will ich aber jetzt gar nicht hinaus. Am Ende der Andacht gab man sich im Namen Jesu Christi einen Friedenskuss. Gerade die älteren Damen aus Polen rannten auf mich, den damals noch jungen und sportlich dynamischen Pfarrer zu und überhäuften mich mit Küssen auf die Bäckchen links und rechts. Schade fand ich eigentlich nur, dass die hübschen jungen Mädchen sich da eher zurück hielten. Soweit zu der gemeinsamen Andacht, wo es sehr fröhlich zuging.

Auch wenn das Abendmahl darin nicht vorkam, ich bin überzeugt: So ähnlich ist das Abendmahl eine ganz fröhliche Sache. Da muss man nicht in gebeugter Haltung nach vorne kommen und bitter ernst drein schauen. Hallo, da geht’s um Befreiung von Altlasten! Da macht Gott mit mir einen Neubeginn, einen Neuanfang. All das, was mich quält und bedrückt, darf ich hinter mir lassen! Darüber darf ich mich von Herzen freuen!

Freude, das kennen wir bei allem Schlechten und Schlimmen in der Welt, doch hoffentlich auch. Also ich kenne das zumindestens. Gerade freue ich mich über den bombigen Frühlingsanfang und über mein Pfarrhaus, das im Sonnenlicht doch wesentlich freundlicher wirkt. Ich freu mich über meinen Garten, in dem manches blüht, auch wenn ich ihn bis jetzt nicht so doll gepflegt habe. Ich freue mich über gute Gespräche mit Freunden zuletzt am Freitag oder auch gute Gespräche in der Gemeinde, zuletzt bei Welcome nach dem Gottesdienst im Gemeindesaal. Heute habe ich Vorfreude auf heute Nachmittag, den cologne international, wo wir zum ersten Mal eine Taizeandacht ausprobieren und die Katholische Nachbargemeinde auch mit dabei ist. Vorfreude bereitet mir auch ein Interview über das Thema ‚Gebet’, das auf Radio Köln am Sonntag, den 1. Mai ca. 20.15 Uhr läuft. Den Termin also schon mal vormerken und ihren Pfarrer auf dem beliebtesten Sender Kölns hören. Das sind alles Sachen, die mir Freude bereiten.

Und bei Ihnen, liebe Gemeinde? Was bereitet Ihnen Freude? …

Das sind alles wunderbare Freuden! Das tut uns so richtig gut! Wir brauchen solche Freude, um wirklich zu leben!

Aber wie das so leider ist: Solche Freuden kann ich nicht festhalten. War ich heute noch in einem Hoch, kann das morgen schon vorbei sein. Unsere Freuden währen nicht ewig.

Das Tolle, was mir an unserem Bibeltext auffällt und mich so anspricht, ist: Jesus begnügt sich nicht mit unseren irdischen Freuden, wie wir sie zum Glück hoffentlich haben. Er gönnt sie uns sicher von ganzem Herzen. Aber Jesus will uns viel, vielmehr schenken! Er will uns Freude schenken, die ewig währt. Er will uns Freude schenken, die nicht abhängig ist von dem, was wir gerade alles an Gutem oder auch an Schlechtem in unserem Alltag erleben! Er will uns immer Freude geben, komme, was mag!

Das Wunderbare dabei ist: Jesus gibt nicht etwas Freude - so häppchenweise, wohl dosiert, wenn wir es mal nötig haben. Nein, er gibt sich selbst, mit seiner ganzen Person! Er, der Freudenmeister - wie es in einem alten klassischen Choral heißt -  schenkt sich uns selbst! Für uns, für mich tut er das! Darüber können wir uns wirklich von Herzen freuen!

Ich erzählte dazu ein kleines Beispiel, das ich gestern erlebt habe: Da habe ich meine beiden Patenkinder, zwei süße Zwillingsgeschwister hier in der Nähe besucht. Am Ende der Geburtstagsparty wurden alle Kinder abgeholt. Dann räumten die Eltern auf und konnten nicht großartig für ihre Kinder da sein. Ich selbst habe die Zeit genutzt, um meine Geschenke im Garten in aller Ruhe zu überreichen. Das kam auch gut bei den Kindern an. Aber mein Eindruck war: Nicht die Geschenke, die ich machte, waren entscheidend. Das Entscheidende war vielmehr, dass ich selbst für die Kinder da war und sie mich so hautnah erlebten. Ich selbst in Person war hier gefragt! Ich konnte durch mich selbst den Kindern etwas geben, das sie fröhlich machte.

Genau das ist Jesus für uns - und das nicht nur für so einen stillen Moment in der Abendstunde auf dem Rasen hinter dem Haus. Nein, da finden wir das, was unseren Hunger nach Leben satt macht und uns erfüllt. Bei Ihm finden wir das, was wirklich sich in unserem Leben bewahrheitet und Sinn gibt - nicht nur hier und jetzt, sondern auch für die Zukunft!

Genauso verstehe ich auch das, was im Abendmahl passiert! Genauso verstehe ich die Worte die Jesus hier spricht: ‚Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.’ Ich darf wissen: Gott, Jesus Christus selbst ist für mich da. Er ist ganz handfest bei mir, in mir und ich bin ganz in ihm. So tief bin ich mit ihm verbunden!

Ich hoffe, dass wir unsere Abendmahlsfeiern gerade am Gründonnerstag oder in der Osternacht so erleben. Es geht wirklich darum, dass ich das Abendmahl mit Freuden genießen kann, es mit Freuden empfange und voll gestärkt nach Hause gehe.

Jetzt könnte man mir vorwerfen: Ist das nicht eine Überhöhung von Oblate und Wein, ein übertriebener Sakramentalismus? Macht der Pfarrer jetzt einen auf katholisch?

Es ist ja interessant, dass im Verlauf der Kirchengeschichte das Abendmahl eine ganz hohe Bedeutung gewann. Man redete da von der unsterblichen Medizin. Mir geht es jetzt sicherlich nicht darum, das Abendmahl magisch zu verstehen. Das haben die meisten Kirchenväter und Theologen damals auch so nicht gesehen. Das ist kein Heilsautomatismus so nach dem Motto: Ich nehme das zu mir und - schwupps! - schon läuft alles optimal im Leben bis in den Himmel hinein. Nein, das ist wie gesagt etwas Persönliches, Beziehungsvolles. Ich selbst werde ganz fest und tiefgehend mit Jesus Christus verbunden. Das, was mein Leben ausmacht und mich erfüllt, das schenkt Gott mir tatsächlich in seinem Wort und auch im Abendmahl. Das ist allerdings etwas, worauf ich mich nur einlassen kann. Das Vertrauen auf Gott ist da gefragt. Es geht hier um den Glauben auch beim Abendmahl! Ansonsten bleibt das Ganze eine wirkungslose, äußerliche Sache, die ich zu mir nehme und mehr nicht. Das Ganze ist dann kein lebendiges Geschehen. Aber im Vertrauen auf Ihn kann ich das Abendmahl gar nicht oft genug feiern und zu mir nehmen.

Dazu erzähle ich noch ein kleines Erlebnis, das ich mal in einem katholischen Kloster erlebt habe. Da wurde jeden Morgen die Frühmesse mit dem Abendmahl gefeiert. Anfangs habe ich mich gefragt: Was soll das bloß? Einmal reicht doch. Erst nachdem ich selbst regelmäßig die Morgenmesse besuchte und das Abendmahlsgeschehen beobachtete, merkte ich: Irgendwie hat das was. Die Leute, die danach für ihr leibliches Brot zur Arbeit gehen und was schaffen, die bekommen hier ihr geistliches Brot für jeden Tag. Gott selbst schenkt sich da ihnen.

Genau darauf kommt es an, dass wir in dem Vertrauen das Abendmahl zu uns nehmen, uns einfach darüber freuen, dass Gott sich selbst uns schenkt und unser Leben in guten wie in schlechten Zeiten so reich macht und uns erfüllt. So haben wir es ja auch in dem Lied vor der Predigt gesungen: ‚Das Brot bist du für den, der Lebenshunger hat. Und wenn er zu dir kommt, machst du ihn wirklich satt.’ Ich wünsche uns allen, dass wir das genauso in unserem Leben erfahren und das Abendmahl tatsächlich ein Freudenmahl für uns ist - nicht nur hier und jetzt, sondern auch für die Zukunft. Der heutige Sonntag mit dem lateinischen Namen ‚Lätare’ - auf deutsch ‚Freut euch!’- lädt uns dazu ein.

Amen.

Klaus Eberhard