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Predigt am 8. Febr. 2009 über Johannes
2, 1 - 11 -
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die
Brautleute hatten nicht viel Geld.
Dennoch
waren sie der Meinung, dass viele Menschen mitfeiern sollten.
Geteilte Freude ist doppelte Freude – so dachten sie.
Denn
es sollte ein großes Fest werden – mit vielen Gästen.
Warum soll unsere Freude nicht ansteckend sein? Es herrscht doch ohnehin
mehr Leid als Freude unter den Menschen.
So
baten sie Ihre Gäste, jeder möge eine Flasche Reiswein mitbringen.
Am
Eingang würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen
könnten. Und so sollte jeder die Gabe des Anderen trinken und jeder
mit jedem ausgelassen und froh sein.
Als
nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass
und schöpften daraus. Doch wie groß war das Erschrecken aller, als
sie merkten, dass es Wasser war.
Versteinert
saßen oder standen sie da, als ihnen bewusst wurde, was eben jeder
gedacht hatte: „Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, die wird niemand
merken oder schmecken.“
Nun
aber wussten sie, dass alle so gedacht hatten.
Jeder
hatte gedacht: „Heute will
ich mal auf Kosten anderer feiern.“
Unruhe,
Unsicherheit und Scham erfasste alle – nicht nur, weil es eben nur
Wasser zur trinken gab.
Als
um Mitternacht die Flöten verstummten, gingen alle schweigend nach
Hause. Jeder wusste: das Fest hatte nicht stattgefunden.
Die Erzählung von dieser Hochzeit kommt aus dem alten China.
Damals in Israel war es zum Glück etwas anders.
Johannes berichtet es so:
Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu
war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit
geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm:
„Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus
spricht zu ihr:
„Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht
gekommen.“
Seine Mutter spricht zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut.“
Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach
jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße.
Jesus spricht zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“
Und sie füllten sie bis obenan.
Und er spricht zu ihnen: „Schöpft nun und bringt's dem
Speisemeister!“
Und sie brachten's ihm. Als
aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und
nicht wusste, woher er kam - die Diener aber wussten's, die das
Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam
und spricht zu ihm:
„Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden,
den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.“
Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa,
und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an
ihn.
Damals wie heute werden in Israel Hochzeiten eine ganze Woche
lang gefeiert.
Und es gehört einfach dazu, dass viele Gäste kommen – und
dass der Wein in Strömen fließt. Eine Hochzeit, bei der die Gäste
nicht ordentlich betrunken sind, das ist es eben keine richtige
Hochzeit. So jedenfalls hat es unsere Reiseleiterin im März letzten
Jahres erzählt, als wir an Kana in Galiläa vorbeikamen.
Was aber hat Jesus ausgerechnet auf einer Hochzeit zu suchen?
Kann man sich den Sohn Gottes beim Tanzen vorstellen?
In fröhlicher Runde, lachend, trinkend, gar betrunken?
Vielleicht denken wir: „Na
ja, Jesus war ganz Mensch –
also
war er auch auf Hochzeiten. Also hat er auch getrunken. Na gut.
Aber
- als Vorbild eignet sich diese Geschichte nun gerade nicht.“
So könnten wir denken – und tatsächlich:
Rausch, Ausgelassenheit, Tanzmusik - all das finden wir nicht
in unseren Gemeinden – vielleicht privat, aber am ehesten doch,
wenn der Pfarrer nicht eingeladen ist oder schon wieder gegangen
ist, oder?
Trotzdem: Johannes fand diese Geschichte wichtig genug, um sie
zu erzählen. Mehr noch: er stellt sie an den Anfang seines
Evangeliums.
„Das
ist das erste Zeichen, das Jesus tat!“
Damit betont er: Diese Geschichte ist so etwas wie die Überschrift.
Wer Jesus und seine Sendung erfassen will, der kommt an dieser
Hochzeit nicht vorbei. Warum?
Also, erstmal: Jesus war offenbar kein Kind von Traurigkeit.
Nicht immer nur ernst, auch nicht immer nüchtern.
Viele Fromme seiner Zeit fanden gerade das anstößig:
Ein
Mann Gottes, und dann dieser Lebensstil? Ein Fresser und Weinsäufer
ist er. Einer, der Umgang mit Huren und Zöllnern hat!
Das
passt doch nicht zu Gott! Das ist nicht ernsthaft genug!
So haben sie gedacht, die Frommen – und manche haben es auch
so gesagt.
Offenbar passte sein Verhalten nicht in ihr Bild vom Retter
Israels.
Eins wollte Jesus sicher nicht: Er wollte niemanden ärgern
und vermutlich auch nicht religiöse Gefühle verletzen. Jesus ging
es nicht ums Provozieren.
Wenn er es sich gerade bei Gastmählern gut gehen ließ, dann
hatte das einen tieferen Grund. Er war davon überzeugt:
Die
kommende Welt Gottes spiegelt sich wunderbar gerade in einem
Festmahl. Wo man satt zu essen hat. Wo der Wein in Strömen fließt.
Wo
gelacht wird, weil es etwas zu feiern gibt.
Ja,
der Anbruch von Gottes Reich ist wie eine Hochzeit!
Denn eine Hochzeit ist doch gerade das Fest des Neuanfangs.
Und - sie ist das
Fest der Liebe.
Und drittens: Ehen werden geschlossen, damit Kinder Raum zum
Leben bekommen – und
Gott liebt das!
Und deshalb ist gerade eine Hochzeit die perfekte Gelegenheit,
um den Anbruch von Gottes neuer Welt darzustellen.
Nun hat Jesus nicht etwa eine feurige, evangelistische Andacht
gehalten.
Das würden wir wohl erwarten – und würden uns nicht
wirklich einlassen auf das Fest.
Jesus hat seine Jünger mitgenommen und einfach mitgefeiert.
Und dann kam die Gelegenheit, noch mehr zu zeigen: der Wein
ging aus.
Maria kriegt das mit – und gibt ihm einen dezenten Tipp:
„Jesus
– der Wein geht zu Ende.“
Und jetzt passiert zweierlei. Zuerst dies:
Jesus weit die Bitte seiner Mutter zurück.
„Was
geht Dich an, was ich tue, Frau?“
Warum diese schroffe Antwort?
Weil Maria etwas wollte, was Jesus klar ablehnt:
Sie wollte seine Vollmacht für ihre Sache einspannen.
„Nein!“
sagt Jesus.
„So nicht! Mach mich
nicht zum Erfüllungsgehilfen deiner eigenen Ideen.“
Wie leicht passiert uns das, wenn wir beten?
Dass wir Gott bedrängen, uns in unserer Sache zu helfen.
Wenn uns mal der Wein ausgeht.
Deshalb gehört zu jedem ernsten Gebet dies: „Herr,
dein Wille geschehe!“
Sonst könnten auch wir eine solche Zurückweisung erleben.
Nachdem Jesus das klar gestellt hat, ergreift er die
Gelegenheit –
die Gelegenheit, Gottes Liebe zu zeigen.
Er geht nach draußen auf den Hof.
Damals gab es in jedem Haushalt große Steinkrüge für das
Wasser, das Juden im Ritualbad brauchten. Das Wasser für die Mikwe,
das Tauchbad musste kultisch rein sein – lebendiges Wasser. Tonkrüge
gelten nicht als kosher, deshalb Stein.
„Füllt
diese Krüge!“
weist Jesus die Diener an. Und sie tun es.
Es ging immerhin um etwas 600 Liter!
Nun ist es nicht wichtig, wie das geschah, was dann passierte.
Entscheidend ist das Ergebnis: aus dem Wasser wurde bester
Wein!
Und zwar so reichlich, das die Feier noch einige Tage
weitergehen konnte.
Ein Zeichen nennt Johannes das, was hier geschah.
Zeichen, das ist ein Fachwort für Dinge, die man gerade vom
Messias erwartete:
Die Tempelreinigung,
der Eifer für die Heiligkeit Gottes war so ein Zeichen.
Die Heilung eines
Blindgeborenen – das konnte sonst kein Heiler.
Und dann die Auferweckung
eines Toten – Lazarus.
Schließlich die Erscheinung
vor Thomas – all dies nennt Johannes Zeichen.
Und das erste dieser Zeichen ist die Verwandlung von Wasser in Wein.
Ein Zeichen muss man deuten:
hier geht es um viel mehr als um Durst und die Vermeidung
einer Blamage.
Jesus verwandelt ganz bewusst das Wasser für die rituelle
Reinigung.
Dieses Zeichen sagt: In der jetzt anbrechenden neuen Welt
Gottes -
da führt das Einhalten religiöser Vorschriften nicht zum
Frieden mit Gott!
Das religiös richtige Verhalten ist nicht mehr der Weg zu
Gott.
Sondern: „Das Fest
bricht an! Du bist eingeladen, Dich an Gott zu freuen.“
Wer eingeladen ist, braucht nicht zu bezahlen – alles ist
frei, man muss nur kommen.
Aber
–
werden jetzt manche einwenden: einer
muss doch bezahlen.
Der
Eintritt in die Ewigkeit kann doch nicht verschleudert werden.
Richtig!
Das Zeichen des freien Eintritts ist der Wein.
Der Wein, den Jesus ausschenkt.
Einmal, bei einem anderen Festmahl, da nahm er einen Kelch mit
Wein, sprach das Dankgebet darüber, gab diesen seinen Jüngern und
lud sie ein:
„Nehmt
und trinkt! Dieser Wein ist ein Zeichen!“
Wieder ein Zeichen!
Er ist das Zeichen für den neuen Bund, den Gott geschlossen
hat.
Das Reich Gottes, das ist das Fest derer, die nichts
mitzubringen haben.
Die nicht einmal so tun, als hätten sie etwas zu bringen –
wie bei jener Hochzeit im alten China.
Wir alle dürfen mit leeren Händen kommen – meinetwegen
auch mit dem Wasser unserer religiösen Bemühungen.
Wenn wir unser Wasser Jesus hinhalten – dann macht Er den
Wein des Festes daraus.
Verwandlung – darum geht es Jesus bis heute, bis in unser
kleines Leben hinein.
Wollen wir das?
Wollen wir, dass etwas anders wird in unserem Leben, anders
als es bisher ist?
Wollen wir, dass der Grundton im Umgang miteinander in der
Gemeinde anders wird? Fröhlicher, gelassener und sorgloser? Wollen
wir das?
Soll sich unser Gottesdienst verändern? Soll aus einer
ernsten und belehrenden Veranstaltung ein fröhliches Fest werden? Würden
wir Jesus das erlauben?
Johannes stellt uns heute Jesus vor die Augen:
Er ist der Herr, der es scharf zurückweist, wenn wir Jesus für
unsere Interessen einspannen wollen – wie Maria es versuchte.
Er ist zugleich der Herr, der eine Hochzeit zum Sinnbild für
die neue Welt Gottes gemacht hat.
Das bleibt eine Herausforderung an unsere Gemeinde.
Gott liebt es, wenn Menschen singen und tanzen.
Gott liebt es, wenn etwas Neues gewagt wird.
Gott will Wachstum schenken.
Es war das erste Zeichen, das Jesus tat. Die Jünger erkannten
darin:
Gott hat seine Herrlichkeit offenbart. Und sie glaubten an
ihn.
Glauben wir mit?
Amen!
Björn Heymer
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