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Predigt am 24.02.2008 über
Matthäus 25, 40
Wo finde ich Gott am Mittwoch? -
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Ihr Lieben,
Also: Wo finde ich
Gott am Mittwoch? Mitten im Alltag?
Danke an Manfred
Ostrowski und Wiebke Maas, die uns sehr persönlich Ihre Erfahrungen
erzählt haben.
Das ist ja erst mal
eine steile These: Man kann Gott – den Schöpfer – einfach so
finden.
Geht das tatsächlich?
Kann ich das auch - Gott finden?
Mit dieser Frage kam
einmal ein reicher Mann zu einem berühmten Rabbi.
Als er den Rabbi
gefunden hatte, sagte er ihm dies:
„Rabbi,
Ich biete Dir 10 Taler, wenn du mir zeigst, wo Gott wohnt!“
Und die Antwort des
Rabbi:
„Und
ich biete Dir 100 Taler, wenn Du mir zeigst, wo er nicht wohnt!“
Kann es so einfach
sein? Dass Gott überall zu finden ist.
Am Sonntag im
Gottesdienst? Beim Spazierengehen im Wald?
In der Stille einer
Kathedrale – wenn sonst niemand da ist.
Und beim
konzentrierten Lesen der Bibel?
Natürlich kommt es
nicht auf den Mittwoch an – er steht für den Alltag, den Nicht
– Sonntag.
Wo finden wir Gott
da? Mitten drin im Leben?
Als ich Mittwoch
abends im Bibelkreis gefragt habe, wo wir Gott heute, an diesem Tag
erlebt haben, da kamen höchst unterschiedliche Antworten:
Einer hatte gerade
erlebt: sein Gebet ist auf wunderbare Weise erhört worden. –
So hat er Gott an
diesem Mittwoch gefunden.
Ein Anderer überlegte
kurz – und stellte fest: „Er
wird wohl bei mir gewesen sein – aber mein Tag war so stressig,
dass ich kaum Zeit hatte, an Gott überhaupt zu denken.“
Jemand anders fiel
ein Satz aus der Bibel ein: „Siehe,
ich bin bei Euch alle Tage!“- das hat Jesus doch versprochen.
Also: darauf verlasse ich mich – und gut ist es.
Wo finden wir Gott am
Mittwoch?
Wir können auf
Zeugen hören: Das haben wir eben schon getan.
Es tut gut, das zu hören.
Es kann ermutigen und
uns auf die Idee bringen, hier und da mal die Augen aufzumachen.
Aber genauso gut kann
es uns auch niederschlagen und klein machen:
„Wenn
ich nicht so was erlebe, dann bin ich wohl nicht gut genug.“
Und schon wären gut
gemeinte Lebenszeugnisse das Gegenteil von ermutigenden
Hilfestellungen zum Glauben. Sie würden den Graben aufreißen
zwischen den Glaubenden und denen, die mehr Zweifel als Gewissheiten
kennen.
Außerdem sind
Zeugenbeweise auch sehr subjektiv. Was einer als die
Gottesentdeckung erlebt und beschreibt, dasselbe kann der Nächste
als einen freundlichen Zufall verstehen.
Oder gar als das
Produkt einer überzogenen frommen Phantasie.
Wer will das schon so
genau wissen?
Was also dann?
In der Bibel finden
wir einige sehr konkrete und klare Sätze zur Sache:
Jesus sagt seinen Jüngern
zum Abschied zu: Siehe, ich
bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Also auch am
Mittwoch. Also nicht nur für eine Stunde am Sonntag.
Das Versprechen
steht: Gott ist bei uns – an jedem Tag.
Auch die Psalmen sind
voll von der Gewissheit der bleibenden Gegenwart Gottes:
„Von
allen Seiten umgibst Du mich, Herr und hältst Deine Hand über
mir.“
„Rufe
mich an in der Not, so will ich Dich erretten.“
„Du
bist für mich Zuflucht und
Burg, mein Gott, dem ich vertraue.“
So könnten wir
fortfahren. Gott hat seine Gegenwart zugesagt.
Nur: wie wird die
praktisch, erfahrbar?
Erst einmal bietet
Jesus seinen Jüngern an, sich zusammenzutun:
„Wo
immer zwei oder drei zusammen sind in meinem Namen, da bin ich
mitten unter ihnen.“
Also, da, wo man sich
vereint mit Anderen im Gebet – da findet man Gott.
Das ist ein erster
Schritt:
die Nähe Gottes
suchen und mit Ihm reden! Allein oder mit Anderen.
Wer
sucht, der findet auch! hat Jesus uns Gottsuchern fest
versprochen.
Umgekehrt heißt das
auch:
Wer
es nicht der Mühe wert findet, Gott zu suchen, der wird auch kaum
etwas finden.
Zweiter Schritt:
Sich schlau machen über
Gott. Andere fragen: Wie ist das bei Dir?
Wie bist Du Gott
begegnet? Was ist da passiert? Was hat es mit Dir gemacht?
Und lesen. Ja, lesen.
Die Bibel oder Bücher von Menschen, die was zu sagen haben.
Es steht eine Menge
über Gott drin in der Bibel. Und das Wenigste hat mit Tempel und
Gottesdienst zu tun. Gott will im Alltag erfahren werden. Er will,
dass wir im ganzen Leben seine Gegenwart ernst nehmen.
Sich schlau machen
– das bedeutet: Informationen über Gott sammeln. Sammeln und gut
anschauen. Deshalb haben wir heute einen doppelten Büchertisch
aufgebaut – nicht nur den mit gebrauchten Büchern. Sondern auch
neue Bücher, speziell zum heutigen Thema.
Dritter Schritt:
Vom Wissen zum Tun kommen.
Eine Frau erzählte
mir vor einigen Tagen:
Mittwochs?
Da gehe ich immer ins Krankenhaus, um Besuche zu machen.
Sie tut das im
Auftrag unserer Gemeinde. Und in den Begegnungen an den
Krankenbetten macht sie hier und da sehr konkrete Erfahrungen mit
Gott! Nicht immer, aber hin und wieder.
Bei mir stand vor
vier Tagen – am Mittwoch! - ein Mann an der Tür, den ich schon
eine Weile kenne.
Er ist allein
erziehender Vater zweier Kinder, wohnt ganz in der Nähe und hat
sich so eben aus dem Obdachlosenmilieu herausgerettet. Kaum, dass er
mit seinem Leben klar kommt.
Meistens reicht das
Wenige, was er bekommt, vorn und hinten nicht.
Da stand er nun –
und bat mich mal wieder um Hilfe.
Jesus hat einmal eine
Geschichte erzählt, die in der Zukunft spielte.
Keine Science fiction
story, aber so was ähnliches.
Jesus beschreibt eine
Szene im Himmel:
Er selber sitzt im
himmlischen Thronsaal auf dem Richterstuhl.
Vor ihn werden
Menschen gebracht.
Einige begrüßt er
freudig, während Andere traurig weggeschickt werden.
Diese kriegen gesagt:
Ihr
habt mich krank gesehen – und habt mich nicht besucht, arm und
nackt, und habt mir nicht geholfen noch mir Kleidung gegeben.
Und sie gehen traurig
und beschämt davon – weg aus der Nähe Gottes.
Den Anderen sagt
Jesus:
Ihr
habt mich besucht, als ich krank war. Ihr habt geholfen, als ich arm
und nackt war.
Spannend ist: beide
Gruppen fragen den Richter:
Herr,
wann war das? Wir können uns gar nicht erinnern!
Beide haben es nicht
gemerkt, dass sie mitten in ihrem Alltag Jesus begegnet sind.
Die Antwort des
Richters lautet:
„Alles,
was ihr diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr
mir getan.“ Matth,25,40
In der Person des
Armen, des Hungernden und Frierenden begegnet Dir Gott.
Wo finden wir Gott am
Mittwoch? Eine Antwort lautet sicher:
Dort - bei den
Menschen, die unsere Hilfe brauchen, da finden wir Gott.
Du musst nicht das
ganze Evangelium verstanden haben, bevor es sich auf Dein Leben
auswirkt.
Schon das Wenige, das
Du verstanden hast, drängt ins Leben, in die Wirklichkeit.
Dann wird aus
Kopfwissen eine Herzensgewissheit.
Und der vierte
Schritt – ist eigentlich kein Schritt, aber ein Tip:
Höre auf die Musik.
Über die Musik hat
Martin Luther einmal gesagt:
„Sie
ist die beste Gottesgabe. Durch die Musik werden viele und große
Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten
Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Die Musik ist
eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger
macht.“
Luther meinte damit
die selber gemachte Musik. Singen, Instrumente – alles, was geht.
Heute hören die
meisten Menschen ja eher zu.
Ulrike Lörch tut
beides. Sie singt nicht nur von Herzen gern in der Combo, sie macht
beim Hören von Musik auch geistliche Erfahrungen.
Von einer dieser
Erfahrungen will sie uns erzählen.
Björn Heymer
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