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Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Markus 13, 31 Ev. Philippusgemeinde Köln Raderthal Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Markus 13, 31
Predigt zu Galater 5, 1- 13, Himmelfahrt 2005-- Drucken
Liebe Himmelfahrts-Gemeinde!

Der Predigttext für heute steht im Galaterbrief des Apostels Paulus, Kap. 5, Verse 1+13.
Es geht dabei um ein großes Wort: "Freiheit".

"Paulus schreibt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
Ihr, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem anderen."

Paulus schreibt hier an Menschen in Kleinasien, also in der heutigen Türkei. Paulus hatte ihnen bei seinem Besuch die Freude des Glaubens gebracht. Die Galater, gerade Christen geworden, fühlten sich frei, entlastet, von Gott geliebt und von Hoffnung getragen - ein Kennzeichen des lebendigen Christseins.

Offenbar drohte ihnen nach kurzer Zeit diese Freiheit wieder zu entgleiten: Daher mahnt der Apostel, das Geschenk der Freiheit nicht zu verlieren.

Damit ist das Schlüsselwort genannt: "Freiheit".
"Freiheit" - ein großes Wort.
Ein großes Wort damals in der Reformation. Luther schrieb von der "Freiheit eines Christenmenschen" gegenüber der Enge und Ängstlichkeit des Mittelalters. "Freiheit" - das Wort wird heute auch gerne beim Vergleich von evangelischer und katholischer Kirche genannt. Manche meinen damit, dass es in der evangelischen Kirche liberaler zugeht als in der römischen Kirche. Das ist einfach festzustellen. Vielen fällt dann auch nicht viel mehr dazu ein, was denn "evangelisch" an ihrem Glauben sei.

Ist das die Freiheit, die Paulus meint: Bei uns geht es "liberal" zu?
Wird es dann nicht sehr schnell beliebig, wofür wir leben?
Was ist für uns wichtig zum Glauben und zum Leben?

Ein bisschen genauer müssten wir es wohl schon zu sagen haben, was die "christliche Freiheit" ist.
· Andere nehmen das Wort "Freiheit" doch auch in Anspruch: - "Freiheit zieht an" - das ist in diesen Wochen der Wahlspruch einer Partei. Gemeint ist eine Abkehr von der Regelungsflut in vielen gesellschaftlichen und staatlichen Lebensbereichen.
· In fast jeder Illustrierten gib es ganzseitige Hochglanzwerbung für Autos. Meist wird mit einem Auto in einsamer wildromantischer Landschaft geworben. Slogan: Der Traum von grenzenloser Freiheit. Gemeint ist die Sehnsucht nach Freiheit von ständigen Verpflichtungen. Das verstehen wir gut.
· Das Wort "Freiheit" steht in der Spaßgesellschaft dafür, dass man sich nur an sich selber und den eigenen Bedürfnissen orientiert. Freiheit gilt deshalb weithin als ein Wert an sich.

Ist das denn auch christliche Freiheit?
Wir wissen alle, frei zu sein ist ein unglaublich schönes Gefühl, --- und zugleich kann man Freiheit schrecklich missbrauchen.
Wie viele leiden unter der Freiheit, die sich andere im eigenen Umfeld ohne Rücksicht auf den Schwächeren nehmen!

Dennoch bleibt die Freiheit eine zentrale Grundlage des Glaubens. Paulus schreibt: "Zur Freiheit hat uns Christus befreit!"
Paulus erklärt es im Galaterbrief so:
Gott selber steht für unsere Freiheit ein.
Der christliche Glaube lebt davon, dass Jesus Christus für unsere Freiheit gestorben und um unserer Freiheit willen auferweckt worden ist. In der Person Jesu Christi - in ihr ist die Freiheit da. Und weil der christliche Glaube von dieser unerschütterlichen Gewissheit lebt, ist das Christentum in der Tat die Religion der Freiheit. Schon der Reformator Melanchthon hatte es lapidar erklärt: "Freiheit - das ist das Christentum." Das ist bis heute so, aber nur, wenn wir verstehen, warum, und nur dann, wenn Freiheit nicht bedeutet: alles ist gleich-gültig oder gleichgültig.
Diese Haltung stellt sich im Pluralismus sehr leicht ein, in einer bunten Gesellschaft, in der man alles denken und sagen kann. Dann braucht man sich ja nicht festzulegen und wählt immer das, was einem gerade in den Sinn kommt oder was gerade in den Medien nach vorne gespült wird. Ist das wirklich Freiheit oder nicht eher eine Form von Unfreiheit?
Wir müssen schon genauer sagen, was das für eine Freiheit ist.
Ich glaube:
Freiheit ist zunächst einmal eine Eigenschaft Gottes.
Der, der wirklich frei ist, ist Gott selber. Er ist deshalb frei, weil er von nichts abhängig ist. Er ist der Anfang, und er ist völlig frei in seiner schöpferischen Kreativität.

Und wir, wie viel von dieser Freiheit haben wir?
Der freie Gott will freie Menschen, damit sie ihm in Freiheit, also ohne jeden Zwang, begegnen können. Diese Freiheit ermöglicht er ihnen mit dem aufrechten Gang und der Freiheit zu denken und der Freiheit, Ja und Nein zu sagen.

Mit dieser Freiheit aber können wir Menschen offenbar nicht gut umgehen:
Jedenfalls gegenüber dem Schöpfer nicht, denn Menschen wollen immer wieder so frei sein, dass sie ohne ihn leben und dann so tun, als seien sie selber das höchste Wesen. Die Bibel benennt das mit dem harten Wort "Sünde", sie beschreibt es mit der Geschichte von Adam und Eva und dem Apfel. Wenn sie Gott den Rücken kehren, können sie ihm auch nicht mehr frei begegnen. Eine freie Begegnung setzt Offenheit und Zugewandtheit voraus.

Und gegenüber dem Mitmenschen können wir Menschen oft mit unserer Freiheit auch nicht gut umgehen.
Wie oft leben Menschen so, dass sie sich vor allem für ihre eigene Freiheit interessieren, aber dabei auf der Freiheit des Nächsten herum steigen, als hätte der kein Geschenk der Freiheit bekommen.
Leidensgeschichten zwischen Menschen haben oft darin ihre Ursache, dass ein Teil von ihnen die Freiheit und das Wohl der anderen nicht achtet. Freiheit des Starken kann oft maßlos werden und Verhältnisse zerstören. Dadurch nehmen die Beziehungen, in denen wir leben, Schaden.
Der Journalist Peter Hahne hat ein Buch geschrieben, in der er die Ichbezogene Spaßkultur beschreibt - mit dem Titel "Das Ende der Spaßgesellschaft". Der hektische Wechsel von Themen und Kommunikationspartnern lässt keinen Raum mehr für Besinnung, für aufmerksames Bleiben in Beziehungen, vieles verliert sich in Flüchtigkeit.

Die Maßlosigkeit von Menschen besteht darin, dass sie ihnen gesetzte Grenzen nicht anerkennen wollen und dadurch letztlich ärmer werden.
Die von Gott geschenkte Freiheit allerdings achtet, dass sie "geschenkt" ist, dass also ein anderer für sie einsteht. Das ist eine andere Freiheit als die, die sagt: "Die Freiheit nehm ich mir" oder die sagt: "Ich bin niemandem verantwortlich. Ich tue, was mir Spaß macht."
Ich bin überzeugt: Wenn ich Gott und den Nächsten achte, gehe ich behutsamer mit mir, mit seiner und mit meiner Freiheit um.
Wer Gott dagegen nicht achtet, kann leicht dazu kommen, im Dasein nur nach dem Nutzen zu fragen. Auch Menschen werden dann auf ihren Nutzen hin angesehen.

Paulus schreibt: "So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!"
Inmitten der Freiheit, mit der Menschen leben wollen, entsteht nun auf einmal eine neue Knechtschaft, eine neue Unfreiheit. Sie besteht darin, dass der Mensch auf sich zurückgeworfen wird. Dann dreht er sich um sich und um seine Erfahrungen. Er macht sich selbst zum Maßstab.

Mir geht es so, dass ich manche Menschen um ihrer inneren Freiheit willen bewundere. Meist sind das Menschen, die sich an einer Stelle fest gebunden haben:
Z.B. ein Musiker, der sich mit Leidenschaft an sein Instrument gebunden und Freude am gelungenen Spiel für andere hat,
oder ein Familienmensch, der sich dazu entschieden hat, die eigene Kraft und alle Liebe an dieser Stelle einsetzen zu wollen.

Also: Freiheit ist da, wo ich mich an der richtigen Stelle gebunden habe.
Paulus schreibt: "Ihr, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem anderen."
"Nicht dem Fleisch Raum geben", heißt eben: "sich nicht um sich selber drehen."
Freiheit ist dann bedroht, wenn ich leben will wie auf einer Insel.
Christliche Freiheit dagegen drängt zur Gemeinschaft, zur Beziehung. Wer wirklich frei ist, ist auch frei zur echten Begegnung, zur Liebe und zur Gemeinschaft mit dem Gegenüber.

Wie kann ich zu solcher Freiheit finden?

- Pause -

Indem ich neu anfange. -
Mit Gott neu anfange.
Wenn ich mich zu Gott auf den Weg mache - eher suchend oder eher hingebungsvoll - dann werde ich seine Nähe er-leben.

Als freie Menschen stehen wir dann nicht nur Gott gegenüber.
Liebend fangen wir mit der Welt und in ihr mit unserem Mitmenschen etwas an. Als freie Menschen erfreuen wir uns an ihrer Würde und machen sie nicht unfrei.
Und was fängt der freie Mensch mit sich selber an?
Das mag jeder für sich selber prüfen. Aber er wird viel zu sehen bekommen, weil er nicht ständig in den Spiegel schauen muss.
So lebt nun - sagt Martin Luther - ein Christenmensch … nicht in ihm selbst. Er gerät vielmehr außer sich.
Ich glaube, immer dann, wenn wir glauben und wenn wir wirklich lieben, sind wir frei. Amen.


Bernhard Seiger