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Ihr Lieben,
da treffen sich zwei Juden. Erzählt der eine dem Anderen: „Stell dir vor: mein Sohn ist Christ geworden! Was soll ich denn jetzt nur machen?“
Antwortet der Andere: „ Oh, das ist ja schrecklich! Denk Dir, mein Sohn ist auch Christ geworden. Und ich weiß auch nicht, was ich nun machen soll!“ „Lass uns zum Rabbi gehen!“
Als sie zum Rabbi kamen, klagten sie beide ihm ihr Leid: „Rabbi, Rabbi, denk dir. Schreckliches ist geschehen: Unsere Söhne sind Christen geworden. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Weißt Du einen Rat?“ Der Rabbi antwortete: „Großes Unglück! Denkt Euch: Mein Sohn ist auch Christ geworden! Ich weiß auch nicht weiter. Lasst uns zum Oberrabbi gehen.“ Beim Oberrabbi angekommen klagten sie ihm ihr Leid: „Oberrabbi, denk Dir, unsere Söhne sind Christen geworden und wir wissen nicht, was wir tun sollen.“
Antwortet der Oberrabbi: Oh, weh! Auch mir geht´s nicht anders. Mein Sohn ist auch Christ geworden. Und ich weiß auch nicht, was ich tun soll.“ „Und was jetzt?“ fragten die anderen. „Lasst uns zu Gott, dem Allmächtigen gehen und ihn um einen Rat fragen.
So betete der Oberrabbi: „Allmächtiger, Schöpfer und Erlöser Israels. Wir kommen zu dir, weil wir ein Problem haben und nicht weiter wissen. Unsere Söhne sind Christen geworden.“
Da erklang eine Stimme vom Himmel: „Ihr Männer Israels, denkt Euch: Mir selbst geht´s nicht anders: auch mein eigener Sohn ist Christ geworden!“ Und was hast Du getan, Allmächtiger?“ war die Frage des Oberrabbis. „Ich habe ein neues Testament gemacht.“
Um das neue Testament Gottes, um den neuen Bund Gottes geht es heute morgen.
Gott hat ein neues Testament gemacht.
Er hat nicht geschwiegen und die Welt sich selber überlassen.
Mit Jesus hat der Schöpfer noch einmal neu in die Welt eingegriffen und den Bund erneuert, den er mit Abraham und dem Volk Israel geschlossen hatte.
Das hat er nicht spontan gemacht, sondern wohl überlegt, ja lange vorher angekündigt.
Wir haben in der Schriftlesung aus dem Propheten Jeremia davon gehört:
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen; (...) und das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.
Zwei Dinge sind neu an diesem angekündigten neuen Bund: 1. Gott befähigt jeden Menschen zu einem eigen verantworteten Glauben – ohne Vermittlung durch Priester oder Propheten und 2. Er bietet Vergebung und Neuanfang an, wo ein Leben verkorkst und in die Sackgasse geraten ist.
Mit diesem neuen Bund hat Gott eine Antwort gegeben auf viele verzweifelte Gebete – Hilferufe des Volkes aus einer ausweglosen Lage: Sie hatten den Krieg verloren, keinen Tempel mehr, Trauer um verlorene Angehörige, Armut, Hunger und Not bestimmten ihre Tage – es war hoffnungslos. So haben sie gebetet. Gottes neuer Bund ist nicht einfach der nüchterne nächste Schritt. Er ist die Antwort Gottes für die, die am Ende sind.
Gott bleibt nicht unberührt
davon, wenn das Leben von Menschen in die Sackgasse gelaufen ist.
Er hört die Gebete der Menschen, die nicht weiter wissen. Ihnen hat
er damals versprochen: „Ich sorge dafür, dass es aus Eurer Verzweiflung
einen Ausweg geben wird.“
Darum geht es beim neuen Bund Gottes. Es ist ein Bund der Rettung. Ein Bund der Vergebung und des Neuanfangs. Dieser neue Bund hat einen Namen: Jesus Christus.
Als er mit seinen Jüngern zusammensaß und das Mahl teilte, da sprach Jesus genau von diesem neuen Bund aus dem Propheten Jeremia: Der Kelch des Abendmahls steht seither als Zeichen des neuen Bundes in genau diesen beiden Aspekten: Im vergossenen Blut Jesu ist jede Missetat vergeben, die einer bereut und bekennt. Damit bietet er die Bereinigung unserer Vergangenheit an, wie immer die aussieht.
Und – das ist das Andere: Mit seinem Geist will Gott unsere Gegenwart und unsere Zukunft neu gestalten. Wer Vergebung und Befreiung erfahren hat, dessen Leben wird anders. Davon spricht Paulus, wenn er schreibt:
3 Ist
doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst
zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen
Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich
eure Herzen. 4 Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott.
5 Nicht
dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber;
sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott, 6 der uns auch tüchtig gemacht
hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.
Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.
Wer mit Christus verbunden lebt, der hat nach Paulus eine doppelte Berufung:
1. Du bist ein Liebesbrief Gottes an die Welt!
Vor genau einer Woche ging in Kassel das vierte deutsche Christival zuende. Ein Jugendfestival unter dem Motto Jesus first! Jesus zuerst. 20.000 junge Menschen haben fünf Tage lang die Dokumenta Stadt zur Christival Stadt gemacht. Sämtliche Schulen waren zu Quartieren umfunktioniert, Busse und Bahnen waren ständig überfüllt mit Menschen. In der Innenstadt lief die ganzen Tage Bühnenprogramm, in der Messe und der Universität eine Fülle von Veranstaltungen. Jeder Haushalt wurde besucht und mit einem Buch sowie einer Video-Cassette beschenkt. Ein gigantisches Ereignis.
Eine Rückmeldung kam von den Busfahrern der Kasseler Verkehrsbetriebe. Eine solch friedliche und rücksichtsvolle Massenveranstaltung hatten sie noch nie erlebt. Trotz Regen und Enge immer fröhliche Stimmung. Keine Zerstörungen, keine Alkoholexesse, nicht einmal riesige Müllberge – nichts von dem, was sonst zu Großveranstaltungen dazugehört.
Das Christival war ein Beispiel dafür, dass etwas anders ist, wenn Menschen im Geist Jesu zusammen sind. „Ihr seid ein Liebesbrief Christi an die Welt!“
Es wird sehr genau wahrgenommen, wie Christen sich verhalten. Bei aller Barmherzigkeit, die Jesus auch damit hat, dass wir nicht immer das verwirklichen, was seiner Botschaft entspricht – es kommt auch darauf an, wie wir leben.
Jemand hat mal gesagt: Die Bibel wird nicht mehr gelesen. Auf Predigten wird auch kaum noch gehört. Die einzige Botschaft von Gott, die bis heute gelesen wird in unserer Gesellschaft, das ist das Verhalten der Christen. An dem, wie wir unser Leben gestalten, zeigt sich, was Gott denkt und empfindet für die Menschen.
Wir brauchen uns nicht zu verstecken damit, dass wir die Botschaft von Jesus verstanden haben und danach leben will. Wenn nicht wir, wer dann soll einer gottlosen Gesellschaft Hoffnung vermitteln? Wir sind die Liebesbriefe Gottes für die Welt!
Und das Andere – das zeigt die Richtung auf:
2. Du bist ein Diener des neuen Bundes.
Das entscheidende Kennzeichen des neuen Bundes ist: Niemand braucht den anderen zu belehren. Gott gibt seinen Geist jedem, der ihn darum bittet.
Das Einzige, wonach wir einander fragen sollen ist dies: Handelst Du aus dem Geist Jesu heraus? Bittest Du Gott um Leitung, wenn es etwas zu entscheiden gibt?
Wenn ja, dann tu, was Du verantworten kannst.
Jesus hat niemandem die eigene Verantwortung für sein Verhalten abgenommen. Der neue Bund erschöpft sich nicht in einer Reihe von Verhaltensanweisungen. Es ist der Bund des Geistes, nicht des Buchstabens.
Es geht also nicht darum, was ein Christ zu tun oder zu lassen hat.
So war es im alte Bund Gottes mit seinem Volk. Es gab klare Anweisungen zur Gestaltung des ganz normalen Lebens. Und wo was fehlte, hat man es aus den Worten des Gesetzes sinngemäß erschlossen.
Genau damit haben sich die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu pausenlos beschäftigt.
Wie viel Prozent Tempelsteuer muss für Kümmel gezahlt werden? Wie lange darf man nicht in den Tempel gehen, wenn man auf einer Beerdigung gewesen ist? Welches Tier muss man auch am Feiertag aus dem Brunnen retten, welches nicht? Und so weiter und so weiter.
Wer auf alles eine fertige Antwort hat, der wird schnell unbarmherzig. Und, was noch gefährlicher ist, der wird auch unaufrichtig. Denn niemand kann alle Gesetze einhalten. Da wird dann eben verschwiegen, beschönigt oder das Gesetz umgedeutet, wie es einem gerade passt. Maßstab für richtig und falsch ist dann die Frage: Was nützt mir? Was schaff ich nicht?
Das aber ist, so Paulus, nie ein Weg zum Leben. Der Buchstabe tötet. Er hilft nicht zum Leben.
Wer nach dem neuen Bund lebt, der lässt sich ein auf einen neuen, einen anderen Geist als unseren eigenen. Der sucht nicht einfache Antworten, sondern der legt alle Entscheidungen Gott vor, indem er betet und fragt: Gott, was willst Du, dass ich hier tun soll. Was dienst dem Leben, was schadet ihm. Was macht Dir mehr Ehre?
Wer nach dem neuen Bund leben will, der betet: Komm, heiliger Geist!
Und dann entscheidet er verantwortlich. Das ist der Weg des Lebens.
Das ist unsere Berufung.
Amen!